13. Mai 2026 - 3 Jahre danach …
Hallo Romain. Heute haben wir den 13. Mai 2026. Seit eurem Konzert sind exakt 3 Jahre vergangen …
Ja, erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht …
Bisher kein neues Lebenszeichen von euch.
Ja (lacht). Aber das ist bei uns ja nichts Aussergewöhnliches. Wenn man bedenkt, dass wir im
Durchschnitt 7 Jahre brauchen, bis wir wieder mit etwas Neuem kommen, liegen wir ja noch gut in der
Zeit.
Heisst das, es ist was Neues zu erwarten ?
Nein …
Wie das ?
Na ja, es ist einfach so, dass ich seit 2024 offiziell in Rente bin, zumindest was das Berufliche angeht.
Und ich geniesse im Moment das Nichtstun. Keine Verpflichtungen, keine Pläne. Ich will einfach nur
zur Ruhe kommen. Das schliesst die Musik auch mit ein.
Also keine musikalischen Aktivitäten bei euch ?
Jein. Roll ist noch sehr aktiv, nur halt nicht Lapislazuli-mässig. Er produziert noch sehr vieles nebenbei,
mit und für andere Künstler. Aber auch er ist beruflich gesehen Rentner und macht nur noch, was ihm
wirklich Spass macht. Was mich angeht : ich muss gestehen, dass ich seit unserem Konzert die Gitarre
noch nicht oft in der Hand hatte.
Keine Inspiration mehr ?
Es hat nichts damit zu tun. Wenn ich ehrlich bin : mental bin ich noch nicht wirklich in der Rente
angekommen. Es gibt noch Vieles, was ich verarbeiten - und vergessen muss. Im Moment bin ich noch
nicht so weit.
Wäre es da nicht gut, musikalisch weiter zu machen und auf diese Weise abzuschalten vom früheren
Berufsleben ?
Musik war für mich nie eine Alternative zum Beruf. Musik ist eine Leidenschaft.
… die in letzter Zeit nachgelassen hat ?
Nein, so ist es freilich nicht. Es ist nur so, dass man Kreativität nicht wirklich steuern kann. Entweder
hat man sie, oder eben nicht. Das gleiche gilt für Inspiration, besonders für Inspiration.
Dann ist es die Inspiration, die fehlt ?
Nein, nicht wirklich. Ich will mich nur nicht zwanghaft hinsetzen und was schreiben MÜSSEN. Ich
habe das grosse Glück, dass ich nie von der Musik gelebt habe und nicht darauf angewiesen bin, auf
Teufel komm raus etwas Neues zu kreiren, nur, um meine Miete bezahlen zu können. Ich könnte mich
jetzt in mein kleines Homestudio setzen und anfangen, zu tüfteln. Das will ich im Moment aber nicht,
ganz einfach. Ich brauche eine gewisse Ruhephase, und ich muss sagen, dass mir diese
Herangehensweise zurzeit sehr gut tut. Ich habe endlich Zeit für Dinge, die ich während meinem
Berufsleben nicht tun konnte. Dazu gehört Reisen, und ich will auch ein wenig mehr Zeit mit meinen
Patenkindern verbringen, die inzwischen auch schon fast 13 Jahre alt sind. Als ich ihr Patenonkel
wurde, hatte ich versprochen, nicht Geld, sondern Zeit in sie zu investieren. Jetzt sind 12 Jahre
vergangen, und ich habe das Gefühl, dass ich diesem Versprechen nicht gerecht wurde. Die Zeit verging
einfach so schnell.
Womit wir wieder zu unserem Anfang kommen. 3 Jahre sind seit dem Konzert in Junglinster
vergangen. Wie hast du diesen Auftritt heute, mit etwas Abstand, in Erinnerung ?
Das kann man sehr schnell und kurz beantworten : dieses Konzert war einfach grossartig. Wir haben
diesen Abend sehr genossen, was grössenteils am Publikum lag, das einfach nur fantastisch war. Und
am Ende dann mit Standing Ovations abzuschliessen - das hatte etwas sehr Berührendes für uns.
LAPISLAZULI gibt es, wenn ich richtig gerechnet habe, jetzt seit 26 Jahren. In dieser Zeit habt ihr nur
2 Konzerte gegeben - aber immerhin 5 CD´s veröffentlicht. Eigentlich eine recht karge Ausbeute …
Stimmt. Aber das spielt für uns keine Rolle. Wir waren aktiv, kreativ, produktiv. Auf unsere Weise halt.
Warum nicht mehr Konzerte ?
Diese Frage wurde uns schon so oft gestellt. Der hauptsächliche Grund : wir sind nur zu zweit, live
aufzutreten bedeutet viel Arbeit, da wir mit Playback arbeiten müssen, um das Fehlen der nötigen
Musiker ausgleichen zu können. Live sind bei uns nur die Gitarren und der Gesang. Und wir wollen
keine regelrechte Band aus LAPISLAZULI machen, wir haben einfach früher sehr schlechte
Erfahrungen gemacht. Wenn du nicht richtig proben kannst, weil einer Kopfschmerzen hat, der andere
gerade schlecht gelaunt ist, weil er von der Arbeit kommt, ein anderer kommt schon betrunken zu den
Proben, und von den Egos, die aufeinanderprallen, reden wir erst gar nicht. Glaub mir, die Egos von
Roll und mir reichen völlig aus, hahaha. Und wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.
Ausserdem : sollen wir jeden Monat ein Konzert geben ? Wann ? Wo ? Warum ? Seien wir ehrlich,
unser Bekanntheitsgrad ist nicht so gross, dass wir ständig Konzerte geben können. Man muss
realistisch bleiben. Wir machen uns lieber rar.
Im Rückblick: gibt es etwas, was du heute. nach 26 Jahren, anders machen würdest ?
Mmm … Ich würde den Song „Better Word for Love“ nicht mehr aufnehmen. Er war Füllmittel für
unsere „Waiting“-CD. Inzwischen ziehe ich es vor, den Platz auf einer CD - oder LP - für eignes
Material zu nutzen.
Apropos LP : Mit „Welcome to the Lost and Found“ habt ihr erstmals auch eine LP produziert. Wie
kam es dazu ?
Oh, das war einfach ein Traum, den ich mir erfüllt habe. In den Jahren mit ANGLESEY hatte ich mir
bereits einen mit der Veröffentlichung der beiden Singles erfüllt, es fehlte halt noch eine LP - die
übrigens sehr grossen Anklang fand.
Romain, vielen Dank für das Interview. Bleibt noch die abschliessende Frage - sorry, ich muss sie
einfach stellen : wie geht es weiter mit LAPISLAZULI ? Geht es überhaupt weiter ?
Dazu möchte ich einfach nur sagen : sag niemals nie. Jetzt freue ich mich erst mal auf die gemeinsamen
Ferien mit meinen Patenkindern. Wir fahren für ein paar Tage nach Ostende, die Jungs freuen sich
schon ricsig drauf …